Stark in der Region

Landwirte bauen Windrad

Zwei Landwirte aus Werther, Dennis und Sebastian Surmann, haben etwas gewagt, was sich nicht viele trauen: Sie haben eine Windenergieanlage auf eines ihrer Felder gebaut.

Dennis (links) und Sebastian Surmann sind stolz auf das 150 Meter hohe Windrad auf ihrem Feld. (Foto: Sarah Jonek)

Wenn sie aus dem Fenster schauen, sehen sie nicht nur Felder weit und breit und etwas entfernt ein Waldgebiet, sondern auch ihre Windenergieanlage. Dennis (32 Jahre) und Sebastian Surmann (35 Jahre) blicken zufrieden jeden Tag auf die 150 Meter hohe Anlage, auf deren Spitze sich die Rotorblätter stoisch im Wind drehen.

Bis zu 8 Mio. Kilowattstunden Strom pro Jahr

Denn ihre Anlage erzeugt zwischen sieben und acht Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr – und zwar umweltschonenden Ökostrom. Zum Vergleich: Ein Zweipersonen-Haushalt verbraucht im Jahr etwa 2.000 bis 3.000 Kilowattstunden Strom. Stolz sind die Brüder auch deshalb, weil die Menschen in Werther ihr Engagement wertschätzen. Auch die Genehmigungsverfahren liefen gut.  

Achtsam mit Ressourcen umgehen – schon als Kind gelernt

Doch wie kommt man auf die Idee, sich für etliche Millionen Euro ein Windrad auf den Acker zu stellen? Eine Frage, die sich für Dennis und Sebastian Surmann gar nicht stellt. „Wir sind groß geworden auf dem landwirtschaftlichen Betrieb der Eltern, den ich heute zusammen mit meinem Vater führe. Von Kindesbeinen an waren wir immer draußen, die Natur ist Teil unserer Arbeit und unseres Lebens. Wir leben von dem, was die Natur uns gibt. Wenn man so aufwächst, geht man automatisch sorgsam mit der Natur und den Ressourcen um“, erklärt Dennis Surmann. „Unsere Eltern haben 2005 die erste Solaranlage auf das Dach eines der Hofgebäude gebaut. Wenige Jahre später kam eine zweite Anlage dazu. Wir nutzen einen Teil des Stroms für unseren Betrieb, den Rest speisen wir ins Wertheraner Stromnetz ein“, erläutert Sebastian Surmann die ersten Berührungspunkte mit erneuerbaren Energien.   

Vier Jahre von der Idee bis zum Baubeginn  

2012 kam den Brüdern die Idee, ein Windrad zu bauen. Die Eltern waren sofort begeistert. Doch als Landwirt kennt man sich mit so umfangreichen Genehmigungen, Gutachten, Anträgen und Behörden eher weniger gut aus. Für die Brüder war das kein Grund, aufzuhören. Sie erkundigten sich und hatten schnell die passenden Partner gefunden: die EWG Werther und die BB Wind, eine Tochter des Westfälisch-Lippischen Landwirtschafts­verbandes, die sich auf bäuerliche Windparks spezialisiert haben.

„Wir leben nicht nur mit, sondern auch von der Natur. Sie zu schützen wurde uns praktisch schon in die Wiege gelegt.“
(Dennis Surmann, Landwirt aus Werther) 

Nachdem die Idee stand und die Partner gefunden waren, dauerte es noch gut vier Jahre, bis die Anlage zum ersten Mal Strom lieferte. „Wir mussten verschiedene Anträge stellen. Das dauert. Dann mussten wir nachweisen, dass die vorgegebenen Abstände zu Wohngebäuden eingehalten werden. Die Deutsche Flugsicherung musste informiert werden und ihr Einverständnis für den Bau geben. Und zuletzt hat uns der Artenschutz eine lange Zeit beschäftigt“, sagt Dennis Surmann.  

Intensive Prüfung der Verträglichkeit mit Fauna & Flora 

Ein Jahr lang hat ein darauf spezialisiertes Umweltbüro die Vegetation geprüft. Es gab Kartierungen, Mikrofone, Expertinnen und Experten erfassten über Tage, welche Vögel hier fliegen, welche dort nisten, ob Fledermäuse unterwegs sind. „Diese Artenschutzgutachten haben den meisten Teil der Zeit in Anspruch genommen. Aber uns war es wichtig, dass wir mit der Anlage den Eingriff in die Natur möglichst gering halten“, stellt Sebastian Surmann fest.  

Ein Schauspiel für das kleine Werther 

Die BB Wind half den Brüdern auch, die passende Firma zu finden, die die Windenergieanlage baut. Mitte Mai 2016 war es endlich so weit. Auf Schwertransportern kamen die zahlreichen großen und schweren Teile an. „Das war schon ein Schauspiel für das kleine Werther, und spätestens seit dem Zeitpunkt wusste jede und jeder hier im Ort, dass wir ein Windrad bauen“, erzählt Dennis Surmann.

Imposante 206 Meter vom Boden bis zur obersten Flügelspitze

150 Meter ist die Anlage hoch – bis zur sogenannten Nabe. Sie verbindet die Rotorblätter mit dem Rest der Anlage. Betrachtet man die Anlage bis zur Flügelspitze des Rotors, wenn dieser senkrecht in der Luft steht, ragt sie 206 Meter hoch in den Himmel. Eine imposante Erscheinung in der ansonsten eher hügeligen Wertheraner Landschaft. Von dem Hof der Surmanns ist sie in rund 700 Meter Entfernung gut sichtbar. 
„Wir können die Anlage nur bei starkem Wind und somit hoher Auslastung hören. Wir erfreuen uns an der Anlage und haben die Entscheidung nicht bereut“, erklärt Sebastian Surmann.

Maximaler Beitrag zum Klimaschutz 

Den umweltfreundlichen Strom speist das Windrad komplett ins Wertheraner Stromnetz. Die Menge hat durchaus einen positiven Effekt. „Seit die Anlage von Familie Surmann am Netz ist, stieg der Anteil erneuerbarer Energien am Strommix in Werther um 65 Prozent. Das sind doch tolle Nachrichten für alle Menschen in Werther“, freut sich auch EWG-Geschäftsführer Volker Nau über die Anlage. Mit den beiden Solar- und der einen Windenergieanlage haben die Surmanns ihre Möglichkeiten, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, voll ausgeschöpft, mehr geht kaum.



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