Nachhaltig & regenerativ

Installation einer Balkon-Solaranlage in Eigenregie

Mit nur vier PV-Modulen auf dem Dach möchte Tina Dautzenberg die Hälfte ihres Strombedarfs decken. Klingt ambitioniert. Doch genau so hat sie die Anlage geplant – und in Eigenregie installiert.

Tina Dautzenberg nutzt den Strom von einer Balkon-Solaranlage – auch als Stecker-Solaranlage bekannt. Sie lässt sich an vielen Stellen montieren. (Foto: Dennis Williamson)

Schon länger hat sich Tina Dautzenberg mit dem Kauf einer Solaranlage beschäftigt. Diesen Sommer hat sie das Vorhaben in die Tat umgesetzt. „Immer wieder habe ich mit der Familie das Für und Wider besprochen. Ein Fachbetrieb war vor Ort, und das erste Ergebnis war ernüchternd: Für eine große Solaranlage ist die Dachfläche zu klein“, sagt die Medienfachfrau, die sich auch um die VollWerther kümmert. Ratlosigkeit machte sich breit. Dann reifte eine neue Idee: Wie wäre es mit einer Balkon-PV-Anlage? Eine solche Anlage hat viele Vorteile: Sie ist kleiner und günstiger, lässt sich per Stecker einfach anschließen. Dank des Solarpakets der Bundesregierung entfällt auch bei ihr die Mehrwertsteuer. Was übrigens für alle damit verbundenen Komponenten gilt, zum Beispiel den Stromspeicher. Die Anmeldung der Anlage wurde ebenfalls deutlich 
vereinfacht. Schließlich soll der Ausbau erneuerbarer Energien beschleunigt werden.

Balkon-Solaranlage gut ausnutzen

„Ich wollte unbedingt meinen eigenen Solarstrom erzeugen“, sagt Tina Dautzenberg. „Es gibt mir ein gutes Gefühl, dass ich einen kleinen Teil zur großen Energiewende beitrage. Stellen Sie sich vor, jeder zweite Haushalt nutzt so eine 
Balkon-Solaranlage. Damit wären wir auf jeden Fall einen großen Schritt weiter.“

Sie hat sich vorgenommen, ihre Anlage so gut wie möglich zu nutzen. Dafür hat sich Tina Dautzenberg Unterstützung geholt: Partner Stefan, der handwerklich begabt ist, und dessen Sohn Robin, im ersten Beruf gelernter Elektriker, halfen bei der Umsetzung. Vier PV-Module haben sie gemeinsam auf dem Dach des Reihenhauses installiert. Der Wechselrichter, der Teil der Anlage ist, sorgt dafür, dass der Strom im Haus genutzt werden kann. In den Sommermonaten kann in der Regel kontinuierlich über den Tag Sonnenstrom genutzt werden, im Winter wird das sicherlich weniger. Die Medienfachfrau hat sich zusätzlich für einen Speicher entschieden. So will Tina Dautzenberg den Strom der Anlage so gut wie möglich im Haus nutzen. „Durch den Speicher muss ich die Produktion der Anlage nicht ständig im Blick behalten und hektisch die Spülmaschine anstellen. Der Sonnenstrom deckt vielmehr die Grundlast.“

Überschaubare Investition

In den ersten Wochen nach der Installation im Sommer hat sie einen Vorgeschmack erhalten, wie sehr sich eine solche Anlage lohnt. Um die fünf Kilowattstunden hat sie täglich produziert, manchmal deutlich mehr, ab und zu auch etwas weniger. Das entspricht in etwa dem Tagesverbrauch eines Zwei-Personen-Haushalts. „Wir haben ausgerechnet, dass wir mit der Anlage bis zu 50 Prozent unseres Jahresverbrauchs im Haus decken können. Wenn wir das wirklich schaffen, wäre ich sehr zufrieden.“

Bevor Tina Dautzenberg die einzelnen Komponenten gekauft hat, suchte sie Rat bei der EWG. Sie bekam den Hinweis, Angebote zu vergleichen, auf Qualität und deutsche Produkte zu achten. Den Rat befolgte sie und setzte zum Beispiel auf Glasmodule, die leistungsfähiger und langlebiger sind. Von den Kosten her blieb die Balkon-Solaranlage für die Medienfachfrau überschaubar: Sie hat knapp 2.300 Euro für die Komponenten ausgegeben. Die eigentliche 
Installation der Anlage auf dem Dach nahm etwa einen Tag in Anspruch. „Wir haben am Vortag die Verkabelung zwischen Wechselrichter, Speicher und Solarladegerät vorbereitet und dann die Module aufs Dach transportiert. Das war zum Glück nicht schwierig, weil darunter der Balkon ist.“

So geht`s in Eigenregie

Die Montage der Solarmodule auf dem Dach war nicht ganz so einfach und hat die meiste Zeit beansprucht.  „Wer so eine Anlage plant, schaut am besten vorher, ob es passende Systeme für die Dachziegel gibt. Dann geht das einfacher.“ Ohne die fachmännische Unterstützung des gelernten Elek­trikers hätte sich Tina Dautzenberg die Montage nicht zugetraut. Sie profitierte davon, dass Robin selbst eine Balkonanlage mit Speicher bei sich zu Hause installiert hat und durch seine Ausbildung in Sachen Elektrik versiert ist. „Mir war es schon wichtig, die Installation vom Fachmann machen zu lassen. Wenn man den in der Familie hat, umso besser“, sagt sie schmunzelnd. Ihre direkten Nachbarn haben sich auch gleich eine Balkon-Solaranlage angeschafft. „Sie waren so begeistert von der Idee, dass sie mitgemacht haben. Allerdings haben sie sich für eine kleinere Version ohne Speicher entschieden. Die PV-Module passten dort perfekt ans Balkongitter.“

Balkon-Solaranlage anmelden

Dank einer digitalen App hat Tina Dautzenberg ihre Anlage immer im Blick. Die zeigt die Stromproduktion, den Zustand der Batterie und die Stromflüsse an. Alles einfach und übersichtlich gestaltet. Zuletzt hat sie die Anlage noch im Marktstammdatenregister eingetragen. Dies muss innerhalb eines Monats nach Inbetriebnahme geschehen. Das ist gesetzlich so vorgeschrieben. Die Anmeldung ist kostenlos: Sie legen ein Benutzerkonto an und registrieren sich als Betreiber sowie die Anlage mit den wichtigsten Eckdaten. Dazu gehören der Standort, das Datum der Inbetriebnahme, die Gesamtleistung der Module, die Wechselrichterleistung, Nummer des Stromzählers.

Zwei weitere Gründe, weshalb das wichtig ist: Erstens fließt die eigene Solaranlage so in die Statistiken zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien in Deutschland ein. Zweitens erfährt der zuständige Netzbetreiber auf diesem Weg, dass nun eine solche Anlage in das örtliche Stromnetz einspeist.

Sollte es erforderlich sein, den Stromzähler auszutauschen, wird sich der Netzbetreiber melden und den Austausch vornehmen. Nachdem die Anmeldung erledigt ist, schwingt Tina Dautzenberg sich auf ihr E-Bike. „Ich fahre jetzt mit einem besseren Gefühl, weil ich das Fahrrad mit meinem eigenen Sonnenstrom wieder aufladen kann“.

Weniger Hürden, mehr Solar

Das Solarpaket 1 der Bundesregierung sieht vor, dass Solaranlagen mit 2.000 Watt Modul- und 800 Watt Wechselrichterleistung über ein vereinfachtes Verfahren angemeldet werden können. „Wer sich in Werther für eine solche Anlage interessiert, muss sie nur im Marktstammdatenregister eintragen. Wir als Netzbetreiber bekommen dann automatisch eine Info und können abgleichen, ob der Stromzähler erneuert werden muss“, erklärt Roger Filges, Leiter Netzanschlüsse bei der Bielefelder Netze GmbH. Außerdem reicht für den Anschluss ein normaler Schuko-Stecker. Vorher mussten Balkonsolaranlagen oft mit einem Wieland-Stecker betrieben werden, der zwar etwas sicherer, aber auch teurer ist.

Mehr unter www.bielefelder-netz.de



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