Markt & Technik

Strom-Infrastruktur in Werther wird ausgebaut und modernisiert

Die 1970 errichtete Schwerpunktstation Speckfeld ist ein wichtiges Element für die Versorgungssicherheit in Werther. Über 50 Jahre Dauernutzung – deshalb stand 2022 eine gründliche Runderneuerung an.

In Werther gibt es nur noch moderne Technik. Björn Ostermann hat die Modernisierung im Stromnetz geplant. (Foto: Sarah Jonek)

Die Anlage stammt aus dem Jahr 1970, und damit ist auf den ersten Blick klar: In der Schwerpunktstation Speckfeld in Werther ist die Technik in die Jahre gekommen. Da für die EWG die Versorgungssicherheit der Wertheranerinnen und Wertheraner an erster Stelle steht, hatte die Modernisierung der Stromstation im vergangenen Jahr Priorität. Rund 900.000 Euro hat die EWG dafür bereitgestellt. Nach Planung, Ausschreibungen und Vergabegesprächen konnte es im Mai 2022 endlich losgehen. 

Stadtwerke Bielefeld unterstützen bei der Planung

Björn Ostermann, zuständig für die Anlagenplanung im Stromnetz bei den Stadtwerken Bielefeld, hat das Projekt von Beginn an geleitet. Die Stadtwerke Bielefeld übernehmen im Auftrag der EWG Werther in der Regel solche Modernisierungen im Netz, da die EWG das allein nicht stemmen könnte. „Als die Anlage 1970 gebaut worden ist, hat man noch eine ganz andere Technik verwendet als heute. Damals wurde alles offen verbaut. Hinzu kommt, dass die inzwischen über ein halbes Jahrhundert alte Anlage natürlich nicht für das Werther von heute ausgelegt war“, erklärt Björn Ostermann. Deshalb wurde die Station 2007 bereits einmal erweitert. 

„Datensicherheit hat bei uns Priorität. Deshalb sind die Stationen mit der Leitstelle über ein getrenntes System und nicht über das normale Internet verbunden.“ (Björn Ostermann)

Stromnetz ist keine Einbahnstraße mehr  

Heute, 53 Jahre nach dem Bau der Station, stehen Stromnetze vor gänzlich neuen Herausforderungen. Sie transportieren den Strom nicht mehr nur von A nach B, sondern nehmen Strom, den Solar- oder Windanlagen zum Beispiel regenerativ erzeugen, auf. „Die Netze funktionieren nicht mehr nach dem Einbahnstraßenprinzip, sondern eher wie ein Kreisverkehr“, erläutert Ostermann.  Um das Netz bestmöglich für die neuen Aufgaben zu wappnen, hat Björn Ostermann bei der Modernisierung der Schwerpunktstation Speckfeld auf drei Dinge besonderen Wert gelegt: 

  1. Die neue Technik in der Station muss so dimensioniert sein, dass nicht nur das Werther von heute sicher mit Strom versorgt wird, sondern auch noch eine Reserve für weitere Netzausbauten in der Zukunft eingeplant wird.  Schließlich geht die EWG davon aus, dass künftig noch mehr Solar- und Windenergieanlagen in und um Werther umweltschonenden Strom liefern. 

  2. Dank der neuen Technik ist die Station nun voll digitalisiert und mit der Leitstelle in Bielefeld verbunden. Dadurch lassen sich Fehler  schneller, einfacher und besser im Netz orten. Das reduziert die Ausfallzeiten im Netz deutlich und erhöht die Versorgungssicherheit.  

  3. Mehr Sicherheit für die Monteure, die in der Station arbeiten. Die neue Technik ist aufgrund der verkapselten Bauweise deutlich sicherer. Zudem müssen die Monteure seltener direkt in der Station arbeiten, da durch die digitale Technik vieles vom Bildschirm aus erkennbar ist.  

Der Strom muss weiter fließen  

Eine besondere Herausforderung bei der Modernisierung der Station lag vor allem darin, dass die Stromversorgung für Werther während der Bauarbeiten weiterhin funktionieren musste. Ein großer Vorteil war dabei die Größe  der Schwerpunktstation. Da das Gebäude rund 180 Quadratmeter groß ist, nutzten die Experten die Fläche parallel: Auf der einen Seite bauten sie die neue Technik auf, schlossen diese an und prüften sie, auf der anderen Seite lief die alte Station weiter. Erst nach erfolgreichen Tests Ende 2022 verbanden sie die neue Station mit dem Stromnetz  – und nahmen die alte ab. 

Beim Abbau der alten Technik ergab sich noch eine ungeplante Herausforderung: „Es stellte sich heraus, dass einige Teile Asbest enthielten. Deshalb musste die alte Anlage mit speziellen Planen abgeschirmt, vorsichtig und nach den entsprechenden Vorgaben abgebaut und gesondert entsorgt werden“, berichtet Ostermann. „Überraschungen dieser Art 
gibt es bei alten Anlagen immer mal wieder. 
Darauf muss man vorbereitet sein, denn 
oftmals sind solche Dinge nirgendwo vermerkt.“ Für solche Aufgaben arbeiten die Stadtwerke Bielefeld mit Firmen zusammen, die sich darauf spezialisiert haben. 

Häufiges Pendeln während der Bauphase

Björn Ostermann hat die Modernisierung nicht nur von Anfang an geplant und geleitet, er war während der Bauphase auch mindestens zweimal pro Woche vor Ort. „Es gibt Fragen, die es zu klären gilt, und ich wollte natürlich auch sehen, wie die Arbeiten voranschreiten. Schließlich war dies mein erstes Projekt in dieser Größenordnung bei den Stadtwerken Bielefeld“, sagt der 28-jährige Anlagenplaner.  Unterstützung hatte er dabei von seinen zwei Kollegen und seinem Chef Peter Offers.  

„Versorgungssicherheit liegt mir am Herzen“ 

Zusätzlich hat Björn Ostermann auch ein privates Interesse am Erfolg des Umbaus: „Ich komme zwar gebürtig aus Bielefeld, wohne aber schon länger in Werther. Deshalb liegt mir die Versorgungssicherheit hier auch persönlich am Herzen.“ Die neue Anlage ist seit Anfang 2023 voll in Betrieb. Der Anlagenplaner ist stolz, dass alles so reibungslos geklappt hat, und hat auch schon das nächste Projekt auf dem Schreibtisch.

Auch das bundesweite Stromnetz wird ausgebaut

Nicht nur in Werther tut sich einiges in Sachen Strom-Infrastruktur, auch das deutsche Stromnetz wird deutlich schneller ausgebaut. 2023 wurden mehr als viermal so viele Trassen­kilometer genehmigt wie 2021, meldet das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Für 2024 erwarten die Fachleute rund 2400 weitere Kilometer Stromautobahn. 



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