Perspektiven

Starkregen besser beherrschen: Die Stadt als Schwamm

Hitzewellen, Trockenheit und Starkregen nehmen zu. Städte suchen daher nach Wegen, um Regenwasser besser zu nutzen. Statt die Kanalisation zu überlasten, soll es künftig die Luft kühlen und Pflanzen bewässern. Doch wie funktioniert das Konzept der Schwammstadt? 
Starkregen bereitet Städten große Probleme. Nun suchen sie nach Lösungen, um der Wassermassen besser Herr zu werden. (Bild: midjourney – Composing trurnit GmbH)

Weltweit erleben Menschen Rekordregen und Hitzewellen. Auch in Deutschland gibt es immer häufiger lange Dürreperioden, in denen wochenlang kein Tropfen ­Wasser fällt. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Starkregenfälle zu. Für die Städte ist das veränderte Klima eine große Herausforderung, der sie sich stellen müssen. Versiegelte Flächen heizen in den meisten Ballungsräumen die Luft auf und verhindern, dass Wasser bei Starkregen gut ablaufen kann. Es fließt oft ungenutzt in den Gully und kann bei schweren Regenfällen die Kanalisation überlasten. Städte und Kommunen suchen daher nach neuen Ansätzen, um künftig schonender mit der kostbaren Ressource Regenwasser umzugehen. 

Sportplätze als Hochwasserschutz 

Als Städtebau der Zukunft gilt das Konzept der Schwammstadt. Sie saugt sich bei Regen wie ein Schwamm voll, sammelt und speichert das Regenwasser an vielen Orten und gibt es bei Hitze und Trockenheit wieder ab. Zu den Bausteinen des Konzepts gehören entsiegelte Flächen, Gründächer oder unterirdische Wasserspeicher wie sogenannte Rigolen, die das Wasser auffangen und bei Bedarf wieder abgeben. Die Schwammstadt soll helfen, Überschwemmungen zu verhindern, für mehr Grün sorgen und das Klima im urbanen Raum verbessern. 

Schotten zu beim Abwasserkanal

Einige Kommunen setzen bereits darauf. So schützen in Hamburg Grünflächen vor Überflutungen: Die Straße Wiesenhöfen lässt zum Beispiel Regenwasser nicht mehr in einen Abwasserkanal fließen. Es gelangt über eine Rinne in einen angrenzenden Park. Und an der Möllner Landstraße kann ein Sportplatz bei Starkregen mehr als 500 000 Liter Wasser aufnehmen. Berlin will ebenfalls Flutschäden verhindern und zu einem großen Schwamm werden. Dazu gibt es zahlreiche Projekte: Eine Mietergenossenschaft sammelt etwa Wasser in Zisternen für Pflanzen. Spiel- und Aufenthaltsorte im Freien dienen als Überflutungsräume, künstliche Wasserflächen schaffen Verdunstungskälte. Auch Freiburg stellt sich nach dem Prinzip Schwamm auf: So kann beispielsweise Regenwasser am Alten Zollhallenplatz durch das Pflaster sickern. Es sammelt sich in Rigolen und verdunstet wieder, wenn es heiß ist.  

Umbau zur "Schwammstadt" braucht Zeit

Natürlich: Eine Stadt lässt sich nicht mal eben zur Schwammstadt umbauen. Der Prozess dauert viele Jahre. Doch jede einzelne Maßnahme hilft den Kommunen, der Klimakrise besser zu trotzen. 

So funktioniert die Schwammstadt 

Mehr Parks, Teiche und Wiesen  

Wohin mit dem Starkregen? Grün- und Wasserflächen dienen als Speicher und Hochwasserschutz. Wasser von versiegelten Straßen wird zum Beispiel auf Wiesen geleitet und entlastet so das Kanalnetz. Sträucher und Hecken schützen den Boden vor dem Austrocknen und verbessern das Mikroklima. Teiche halten das Wasser nicht nur zurück, sondern kühlen auch die Umgebung, indem sie es wieder verdunsten. 

Dachgärten und begrünte Fassaden 

Wasser vom Dach in die Regenrinne und weg in den Gully? Das muss nicht sein. Erdreich und Vegetation auf einem Gründach können den Niederschlag aufnehmen und langsam wieder abgeben. Begrünte Fassaden kühlen die Luft. Die Pflanzen produzieren zudem Sauerstoff und filtern CO2 aus der Luft. Das erhöht die Wohn- und Lebensqualität. 

Wasserdurchlässige Bodenbeläge 

Auf Asphalt und Beton fließt nahezu die gesamte Menge an Regenwasser ab, im Wald dagegen nur etwa ein Drittel. Der Rest verdunstet oder sammelt sich im Boden. Ziel der Schwammstadt sind daher mehr unversiegelte Böden, die Regenwasser speichern und bei Bedarf wieder abgeben.

Private Flächen entsiegeln

Wenn man Flächen im eigenen Garten entsiegelt, kann das Regenwasser besser versickern. Das schützt das Haus vor Wasserschäden bei Starkregen und spart zudem Abwasserkosten. Als wasserdurchlässige Bodenbeläge eignen sich je nach Art der Nutzung Pflaster- und Rasengittersteine, Kies oder Schotter. 

Regen auffangen und nutzen 

Sammelt man Wasser bei Starkregen in unterirdischen Zisternen und gibt es über Rigolen langsam wieder ab, ist es möglich, damit Bäume am Straßenrand zu bewässern. Das ist nur ein Beispiel, denn Regenwasser lässt sich vielfältig nutzen: um Pflanzen zu gießen, Toiletten zu spülen oder Wäsche zu waschen.



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